Geschichte

Das Bachhüs war nicht nur für die brotherstellung ein wichtiger Ort, sondern zugleich auch eine soziale Stütze. War es nicht ein Ort, an dem man sich traf, Zeit hatte, miteinander zu reden, zu diskutieren oder sogar Probleme zu erörtern? Ein Ort der Begegnung eben, wie auch beim „Büchhüs, beim Wäschhüs, bei der Metzgätä, dem Gmewäärchoder dem Hewwzug“, um ein paar zu nennen. Manche Frau oder mancher Mann konnte hier sein Herz ausschütten. Man war für einander da, hatte und nahm sich Zeit, zuzuhören. Ist das nicht das, was uns in der heutigen, hektischen Zeit fehlt - jemanden zu haben, der sich die Zeit nimmt, zuzuhören!?

Die Familien buken im Dorfbachhüs in Unterwassern ihr eigenes Brot. Das stetig wachsende Bedürfnis nach selbst gebackenem Brot führte dazu, dass im Jahre 1942 in Oberwald eingangs Dorf ein zusätzliches Bachhüs gebaut wurde. Durch einen Schaden am Ofen brannte die obere Hälfte des Gebäudes in Unterwassern nieder. 1952 wurde der abgebrannte Teil wieder aufgebaut und aus Kostengründen nur mit Wellblech gedeckt und wieder rege benützt. Vier Familien buken noch bis 1971 alle 6 Wochen ihr eigenes Brot.

Seit 2001 setze ich mich mit dem Brotbacken auseinander. Dank der Mithilfe von den Ehemaligen, die das Backen noch beherrschten, habe ich mir das Wissen des Ofenheizens angeeignet. In einer Dokumentation habe ich die einzelnen Schritte sowie die Merkmale der „Ofensprache“ festgehalten. Seit 2001 backe ich für die „Vaterländer“ jeweils zweimal im Dezember Brot. Die Vaterländer, Abonnenten der früheren Luzerner Zeitung „Vaterland“, bekommen jeweils am Schlusse eines Langlaufwochenendes ein Walliserbrot geschenkt.

Oberwald - im idyllischem Obergoms.
 
Oberwald 2009
Oberwald - 2009

Erst nachdem ich das Handwerk des Heizens und Backens einigermassen beherrschte, wagte ich mich an die Herstellung des „Oberwalderbrotes“. Dieses wurde mit Sauerteig angesetzt. Es setzte sich aus einer besonderen Mischung zusammen. Da in Oberwald kein Roggen angepflanzt wurde, tauschten die Oberwalder einen Teil des herkömmlichen Backmehls mit Roggenmehl aus der Nachbargemeinde   Obergesteln ein. Der Sauerteig wurde hauptsächlich mit Roggenmehl angesetzt und dann mit Backmehl gezogen. In mühsamer Arbeit wurde die ursprüngliche Brotzusammensetzung wieder rekonstruiert. Man möchte ja wieder ein Oberwalderbrot backen können, das möglichst seinem Ursprung entspricht.

Nun habe ich das Bachhüs seit 2004 in Pacht. Unter anderem mit der Auflage, dass das Gebäude nicht zweckentfremdet wird und bei Notfällen genutzt werden darf.

All die Jahre, in denen es nicht genutzt wurde, wurde es auch nicht mehr gewartet. Das Wellblechdach war undicht, die untersten Holzringe verfault und die Teigmulde war im Verlauf der Jahre dem Wurm verfallen. Als erstes wurde die Teigstube wieder auf Vordermann gebracht und das Dach provisorisch abgedichtet. Die verfaulten Holzringe wurden durch eine Mauer ersetzt. Inzwischen wird regelmässig 6-8 mal pro Jahr Brot gebacken. In diesem Jahr, am 21. Juli 2007, kann schon das „4. Bachhüsfäscht“ durchgeführt werden.

Was will ich mit dem Brotbacken bezwecken?
Ich setze mich dafür ein, einen alten Brauch wieder aufleben zu lassen und ihn wenn möglich der jungen Generation weiter zu geben. Das historische Gebäude soll in Stande gestellt und vor dem Verfall gerettet werden. Wie schon vorab erwähnt, ist dieses Gebäude ein Ort der Begegnung, eine Attraktion für Touristen, ein Erlebnisort   für Firmenevents, ein Treffpunkt für alte Leute und ein Platz für Aktivferien mit Jugendlichen und Schulen. Zu solchen Zwecken möchte ich regelmässig Brot backen.

Mein nächstes Ziel ist, durch Sponsoren die finanziellen Mittel zusammen zu kriegen und in Fronarbeit das schöne, alte Bachhüs mit einem Lärchen-Schindeldach zu decken. Nicht zuletzt, um dem Bachhüs eine sichere Zukunft zu gewähren und es als Ort der Begegnung weiterleben zu lassen.

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